Digitales Burnout – ein Exkurs in die Effekte der Digitalisierung

Digitales Burnout – ein Exkurs in die Effekte der Digitalisierung

Im Laufe des letzten Jahrzehnts ist allen voran der Name einer bestimmten, wie es scheint, Volkskrankheit in den Köpfen der Menschen hängen geblieben: Burnout. Millionen Bürger scheinen darunter zu leiden, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Bildungsstand. Aber was ist dieses Burnout genau? Wieso tritt es momentan so häufig auf? Und was lässt sich dagegen tun?

 

Definition Burnout

Dieses Syndrom (welches zu Deutsch übrigens soviel wie ‚Ausgebrannt sein‘ heißt) beschreibt einen Zustand von psychischer und auch physischer Erschöpfung. Die Patienten haben häufig ein Gefühl von Überforderung, Unzufriedenheit mit der eigenen Leistung und gleichzeitiger Demotivation. Aufgrund der Überforderung mit den schier einfachsten Dingen folgt in zweiter Instanz auch meist der Rückzug aus dem sozialen Umfeld.

 

Die Fakten

Seit den frühen 2000er-Jahren ist die Zahl von Erkrankten an Burnout in Deutschland exponentiell gestiegen. Wo es 2004 im Durchschnitt 4,6 AU-Tagen (Arbeitsunfähigkeits-Tagen) im Jahr durch das Syndrom gab, lag die Zahl 2014 bei 74,1 Tagen. Aber auch innerhalb der Altersklassen und vor allem Geschlechter gab es immense Unterschiede.

 

  • 20 bis 24 Jahre: Männer: 40,4 AU-Tage – Frauen: 91,4 AU-Tage
  • 25 bis 29 Jahre: Männer: 55,1 AU-Tage – Frauen: 107 AU-Tage
  • 30 bis 24 Jahre: Männer: 72,5 AU-Tage – Frauen: 129 AU-Tage
  • 35 bis 39 Jahre: Männer: 81,4 AU-Tage – Frauen: 136,6 AU-Tage

 

Im Alter von 60 bis 64 Jahren werden die Höchstwerte erreicht. Dort bewegen sich die Männer bei um die 90, Frauen bei über 160 AU-Tagen im Jahr. Die Studie gibt Daten aus dem Jahr 2014 wieder. Laut weiterer empirischer Ergebnisse ist die Zahl der Erkrankten immer noch steigend. Es wird also belegt, dass Frauen eine deutlich höhere Anfälligkeit der Erkrankung gegenüber haben als Männer. Die Burnout-Diagnose ist mit dem Alter exponentiell steigend. Hängt also die Möglichkeit einer Burnout-Erkrankung stark mit Alter und Geschlecht zusammen- und wenn ja, warum?

Burnout tritt häufig bei Frauen auf.

Vor allem Frauen sind von der Burnout-Erkrankung betroffen.

Die Geschlechterrolle und das Burnout-Syndrom

Aus den Studien von Statista geht eindeutig hervor, dass mehr Frauen als Männer von dem Burnout-Syndrom betroffen sind. Das weibliche Geschlecht habe oft mit Rollenbildern und falschen Anforderungen zu kämpfen, so heißt es in der Wissenschaft. Auch die höheren und unrealistischeren Erwartungen an die Arbeit, wie die gleichzeitig feministisch und emanzipiert geprägten letzten Jahre, sollen Schuld tragen. Wo bei Frauen schon in den frühen 70er Jahren depressive Neigungen, bedingt durch den Arbeitsalltag, diagnostiziert wurden, war es bei Männern die ‚Managerkrankheit‘. Wieso trotzdem mehr Frauen als Männer betroffen sind, ist eine Frage, welche die Wissenschaft spaltet. Eine mögliche These ist, dass der Mann sich häufig dagegen wehrt, sein Burnout-Syndrom anzuerkennen. Dass Scham und Versagensangst größer sind, als sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht. Auf der anderen Seite könnte es genauso gut sein, dass Frauen durch den zusätzlichen Stress aus dem privaten Umfeld (Kindererziehung, Familie, Haushalt, usw.) unter einer höheren Belastung stehen.

 

Der Konflikt der Generationen mit der Digitalisierung

Mit dem Alter ist auch die Zahl der AU-Tage aufgrund des Burnout-Syndroms steigend. Hier lässt sich mutmaßen, dass die jüngere Generationen weniger Probleme mit der Digitalisierung hat, weil sie teilweise in diese hineingeboren wurde. Vielen jungen Leuten wurde die Technik mit in die Wiege gelegt und sie hatten die Chance, mit ihr aufzuwachsen. Zwar herrscht in vielen Fällen dennoch eine Überflutung der digitalen Medien, die Eingewöhnung scheint allerdings weniger Probleme zu bereiten. Anders ist es bei den älteren Bürgern der Industrieländer. Diese sind andere Abläufe in der Arbeitswelt und im Privatleben gewohnt. Und trotz der Akzeptanz der neuen, unendlich vielen Medien, sind Wissenschaftler der Meinung, dass hier die Reizüberflutung und das Ableben lange gewahrter Lebenseinstellungen sowie Verfahrensweisen ein großes Problem darstellt.

 

Digitale Welt

Der mediale Einfluss ist, ob privat oder beruflich, sehr hoch.

Die Hintergründe

Mit den Worten ‚Früher war alles besser‘ werden neue Problemstellungen oft und schnell abgetan. Umformuliert könnte dieser Spruch lauten ‚Früher war vieles schwieriger‘- was ihn wesentlich zutreffender machen würde. Durch die Digitalisierung ist ein Großteil der Arbeit in den meisten Branchen extrem vereinfacht worden, die Informationsbeschaffung verläuft in einem schnellen Prozess und auch die Kommunikation stellt einen vor keine große Herausforderung mehr. Eben diese Digitalisierung des Alltags, ob beruflich oder privat, bringt aber auch großen Druck mit sich: das Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen. Die Abhängigkeit von elektronischen Geräten. Der Informatikprofessor Alexander Markowetz hat vergangenes Jahr mit seinem Team eine App entwickelt, die das Verhalten von Smartphone-Nutzern untersucht. Aus den Ergebnissen von mehr als 60.000 Usern ist hervorgegangen, dass das Smartphone durchschnittlich 53 Mal am Tag benutzt wird. Alle 18 Minuten werden Textnachrichten verschickt, wird im Internet gesurft oder telefoniert. Das macht in der Summe knapp drei Stunden reine Smartphone-Nutzung am Tag. Hinzu kommen andere Medien wie der Fernseher, Laptop, Computer, das Tablet und weitere Einflüsse.

 

Fazit

Abschließend lässt sich vermuten, das alle (oder zumindest die meisten) der oben genannten Faktoren an der Zunahme von Burnout-Erkrankungen im Eingang mit der Digitalisierung im Zusammenhang stehen. Es wird ein Wechselspiel sein, welches von Betroffenem zu Betroffenem unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Um einem Burnout aus dem Weg zu gehen, gibt es bis heute kein Allheilmittel. Allerdings kann man sich im Arbeitsleben gewisser Präventivmaßnahmen bedienen, um sich selbst ein besseres Umfeld zu schaffen.

 

  • Lernen zu verzichten

  • Ein Grund für das Burnout-Syndrom ist nach Meinung der Forscher oft der Drang, ständig erreichbar zu sein. Auch, wenn beispielsweise das Smartphone im Arbeitsalltag für viele längst essenziell ist, sollte man gleichzeitig lernen, darauf zu verzichten. Wenn der Partner, ein Freund oder ein Familienmitglied schreibt, das Gerät einfach mal ruhen lassen. In dringenden Fällen wird angerufen, eine Textnachricht allerdings darf auch mal ignoriert werden. Experten raten übrigens zu dem Verzicht auf das mobile Gerät in den Abendstunden und nach Feierabend. So haben Körper und Geist die Chance, sich von den digitalen Strapazen des Tages zu erholen. Und vielleicht findet man dadurch ja wieder zu wichtigeren Dingen?

     

  • Miteinander sprechen – analog

    Auch am Arbeitsplatz läuft ein Großteil der Kommunikation online ab. Spezielle Messenger, E-Mails oder auch Videoprogramme machen es attraktiv, Fragen über diese Tools zu stellen. Um sich vor der völligen Abhängigkeit der Online-Kommunikation zu schützen, sollte man aber auch einfach mal aufstehen und in das nächste Büro gehen. So nimmt man ein wenig Abstand von technischen Hilfsmitteln, wenn auch nur für den Moment, und vertritt sich außerdem noch die Beine.

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  • Pausen gönnen

    Digitalisierung hin oder her – oft macht man den Fehler, sich zu sehr von Deadlines und Aufgaben beherrschen zu lassen. ‚Ach, das schaffe ich heute auch noch!‘ denkt man sich bei vielen Aufträgen. So kommt es vor, dass man nicht nur viel Zeit auf der Arbeit verbringt. Man verlernt, sich Pausen zu gönnen. Auch in der Mittagspause darf das Arbeitsumfeld ruhig verlassen werden. Sich auch nur für 10 Minuten nicht in den Büroräumen aufzuhalten und frische Luft zu tanken, macht den Kopf frei und schafft Platz für neue Ideen.

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  • Eindrücke ausblenden

    Es gibt viele Faktoren, die von der Arbeit ablenken können. Wenn man mal nicht weiter weiß und in seinem Gedankenprozess stehen bleibt, dann konzentriert man sich gerne mal auf die Dinge, die gerade nicht wirklich wichtig sind. Es ist von Vorteil, von dem Arbeitsplatz alles zu entfernen, was dort nicht hingehört. So wird Ordnung geschafft und der Reiz, sich ablenken zu lassen, ist nicht mehr so groß. Zudem ist es hilfreich, für eine gute Lichtquelle zu sorgen (nicht zu dunkel, nicht zu hell).