Sinn und Funktion von Google Pages

09.12.2011 von Matthias Finke

Es ist so weit! Googles Pendant zu den Facebook Pages ist verfügbar. Mit der Veröffentlichung dieses Artikels haben wir bewusst ein bisschen Zeit ins Land ziehen lassen um die neue Funktionalität von Googles Social Media-Plattform Google Plus ausgiebig testen zu können.

Was ist nun die Pages-Funktion von Google Plus – eine bahnbrechende Innovation oder nur eine billige Kopie des Konkurrenten Facebook? Die Antwort lautet weder noch.

Wer mit der Erwartung antritt, in Google Plus ein verbessertes Marketing-Instrument zu finden, der wird enttäuscht. Google hat sich als oberstes Paradigma gesetzt die Kommunikation als steuerbaren Prozess zu sehen. Während es bei Facebook bis vor kurzem nur möglich schien eine 1:n (n ist die Menge aller Freunde oder Fans) Kommunikation oder eine 1:1 Kommunikation zu führen – inzwischen sind ironischerweise durch die Google-Circles auch die Facebook-Listen ins Gespräch gekommen – hat Google von Beginn an auf gesteuerte Kommunikation gesetzt.

Demnach ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass dieselbe Logik auch für Facebook-Pagesverfügbar ist. Ausgehend von Privatprofilen war ein großes Manko von Facebook, dass nur schwierig Benutzergruppen differenziert werden konnten. Wer wollte z.B. dem Vorgesetzten mitteilen, dass man am Wochenende wieder mit dem Nachbarn in der Dorfkneipe abgestürzt ist? Google Plus schaffte also die präsentere Möglichkeit der selektiven oder auch gezielten Kommunikation. Wenn Web 2.0 = Social Mediaist, dann handelt es sich daebi jetzt wohl um Social Media 2.0 mit dem Verständnis nicht von Verknüpfung, sondern von gezielter Kommunikation auf verschiedenen Ebenen.

Was für einen Nutzen kann ein Seitenbetreiber wie beispielsweise ein Unternehmen daraus nun ziehen? Wenige sind es nicht. Vorerst gilt es allerdings noch eine Barriere aufzuzeigen: Bisher ist es als Google Plus-Page-Betreiber nur möglich, Follower zu sortieren und nicht aktiv Personen anzusprechen. Das bedeutet, dass einem erst eine Person folgen muss, bevor sie dann sortiert werden kann. Problematisch hierbei kann bei mangelnder Qualität bzw. fehlenden Informationen die korrekte Zuordnung in die entsprechende Kundengruppe sein.

Nun hat man aber die Möglichkeit, verschiedene Kundengruppen mit verschiedenen Informationen zu versorgen, so dass diese nur die für sie relevanten erhalten. Dies ermöglicht dem Seitenbetreiber zielgerichtete Kommunikation mit dem Kunden, welche je nach Kommunikationsparadigma auch messbar ist. Ebenso ist es möglich, einzelne B2B-Kunden in einzelne Circles einzuteilen und somit nur mit selektierten Unternehmen und nicht mit Kundengruppen zu kommunizieren – die Nutzung von Google Plus kann also als offenes CRM-System gesehen werden.

Erste Erfahrungen konnten wir schon mit Google Plus als Plattform für den Support gewinnen. Zukünftig werden wir verstärkt auf Google Plus als CRM setzen, da wir für diesen Bereich nun keine mit Kosten verbundene eigene Software-Lösung betreiben müssen. Ein zusätzliches Ticketing System lässt sich mehr oder weniger aufwendig über die Google Plus-API realisieren.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt bleibt also festzuhalten, dass Google dem Unternehmer mit Google Plus ein mächtiges Instrument zur Verfügung stellt.
Google Plus als Konkurrent zu Facebook zu sehen ist unserer Meinung zu weit hergeholt, da völlig unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden. Für Xing, LinkedIn und Twitter sieht das Ganze aber anders aus. Ob Google Plus nach und nach diesen Plattformen den Rang ablaufen wird bleibt abzuwarten, aber die Zeichen stehen dem jedenfalls nicht entgegen wenn andere Netzwerke nicht nachlegen.

Derzeit untersuchen wir die Nutzung von Google Plus bei Unternehmen in den USA im Vergleich zu Deutschland. Sollten Sie daran Interesse haben, wenden Sie sich bitte direkt an uns. Leider wird in Deutschland noch ein Großteil des Potenzials der Social Media-Nutzung von den Firmen verschlafen, aber vielleicht tritt ja demnächst Läuterung ein.

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Matthias Finke
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