Usability und User Experience (UX) erfolgreich umsetzen

30.11.2017 von Katharina Gottwald

Das Zusammenspiel beider Disziplinen

Ein Blick auf eine Vielzahl an Stellenangebote im IT-Bereich zeigt eine Anforderung ganz deutlich: Kenntnisse im Bereich Usability und User Experience (UX). Dies hat einen ganz trivialen Grund. Interaktive Systeme werden durch den Menschen nicht nur erschaffen, sondern auch genutzt! Doch genau diese Tatsache fand jahrelang keine oder nur wenig Berücksichtigung im Prozess der Planung und Umsetzung. Mittlerweile findet jedoch ein Umdenken statt. Der Nutzer wird von Beginn an in den Prozess mit einbezogen. Die Vorteile dafür liegen auf der Hand: Eine nutzerorientierte Systemgestaltung führt zu einer höheren Akzeptanz im Live-Betrieb, eine frühzeitige Fehlervermeidung führt zu reduzierten Kosten. Die Liste ließe sich immer weiter fortführen.

Nachfolgend ein Exkurs in das Zusammenspiel von Usability und User Experience:


Usability – Qualitätssteigerung durch Zielerreichung

Die Begriffe Usability und User Experience werden oftmals im selben Atemzug verwendet, jedoch handelt es sich um unterschiedliche Bereiche. Usability bezeichnet die Gebrauchstauglichkeit beziehungsweise Benutzerfreundlichkeit eines Produkts. Ist sie gewährleistet, steigert sie die Qualität eines solchen.

Definition laut ISO-Norm DIN EN ISO 9241, 11
“Usability ist das Ausmaß, in dem ein Produkt durch bestimmte Nutzer in einem bestimmten Nutzungskontext genutzt werden kann, um bestimmte Ziele effektiv, effizient und zufriedenstellend zu erreichen.”

Wenn ein Produkt eine gute Usability aufweist, wird dies vom Nutzer meist nicht bewusst wahrgenommen. Die Tücken liegen jedoch in einer schlechten Usability! Hier kann ein Nutzer nicht umhin diese wahrzunehmen, da er mit den Schwächen des Produkts direkt konfrontiert wird. Fehlende Steuerungsmöglichkeiten und geringe Fehlertoleranz sind nur einige Aspekte, welche einer guten Usability im Wege stehen. Eine der häufigsten Schwächen ist jedoch die Übereinstimmung zwischen System und Wirklichkeit. Dies bedeutet, dass Informationen beziehungsweise die Sprache zur Mitteilung von Informationen sich an den Gewohnheiten des Anwenders (Wirklichkeit) orientieren und nicht systemorientiert formuliert werden. Hierbei gilt es zudem Konsistenzen und Standards hinsichtlich Sprache und Interaktionsmöglichkeiten zu befolgen.


User Experience (UX) und das Zusammenspiel beider Disziplinen

Während die Usability sich also konkret auf den Moment der Nutzung bezieht, haben wir es bei der User Experience mit einer erweiterten Sicht auf die Nutzung zu tun. Hierbei spielen ästhetische (Look) und emotionale (Feel) Faktoren vor, während und nach der Nutzung (Use) eine Rolle.

 

User Experience (UX)

 

Gefällt mir, was ich sehe? Habe ich Spaß bei der Nutzung? Kann ich Vertrauen aufbauen? Werden meine Erwartungen erfüllt? Dies sind alles Aspekte, die mehr oder weniger bewusst dazu beitragen, wie gut ein Produkt für Nutzer funktioniert und ob ein Nutzer erneut mit diesem interagieren wird und will.

Hier wird deutlich, dass eine trennscharfe Betrachtung beider Disziplinen nicht funktioniert. Ein Produkt, welches zwar ästhetisch ansprechend gestaltet wurde, jedoch in seiner Gebrauchstauglichkeit (Usability) eine Vielzahl an Fehlern aufweist, wird demzufolge keine gute User Experience aufweisen können.


Produktentwicklung unter UX-Aspekten

Muss ein Produkt von vornherein unter dem Aspekt entwickelt werden? Nein, definitiv nicht. Wird ein Produkt oder System jedoch neu entwickelt, wäre es natürlich fatal, den UX-Prozess außen vor zu lassen. Aber auch mit der UX-Optimierung bestehender Systeme können Sie einen spürbaren Mehrwert generieren.

Denken Sie an amazon oder Google. Zu keinem Zeitpunkt wurde ein Relaunch durchgeführt. Und trotzdem weisen diese Unternehmen eine hohe Nutzerbindung auf. Die Strategie dahinter ist, kleinteilig zu optimieren und sich den zum Teil ändernden Anforderungen der Anwender anzupassen.

Vor allem die Schnelllebigkeit der Technologien hat Auswirkungen auf das Nutzerverhalten. Was zum Zeitpunkt x noch ein gängiges Navigationsinstrument war, kann zum Zeitpunkt y bereits überholt sein. Auch der immer weiter voranschreitende Cross- beziehungsweise Multi-Device-Anspruch ändert die Anforderungen an eine gute Usability und User Experience.

Was heißt das nun für Sie? Der richtige Zeitpunkt für den Einsatz der Instrumente und Methoden zur Steigerung ist schlichtweg: LAUFEND. Die Faktoren Technologie, Zeit und Nutzerverhalten in ihrem stetigen Zusammenspiel schaffen regelmäßig neue Anforderungen an Ihre Produkte.


Steigerung der Usability und der User Experience

Stellen wir uns beispielsweise eine Webseite mit angegliedertem Onlineshop vor. Hier haben wir es mit einem Verbund an offensichtlichen und nicht offensichtlichen unterschiedlichen Bestandteilen wie etwa Buttons, Suchfunktionen, Kategoriebäumen und vielen Weiteren zu tun.

Experten analysieren im Detail alle Bestandteile, die zu einer Steigerung beitragen werden. Es reicht nicht aus, Projektbeteiligten die Bewertung dieser Bestandteile zu überlassen. Experten wenden einzelne Methoden an, mittels derer sie in die Rolle des Nutzers schlüpfen. Hierzu zählt unter anderem die heuristische Evaluation. Jakob Nielsen entwickelte in den 1980er Jahren einen Katalog an Heuristiken, welche die Gebrauchstauglichkeit eines Systems überprüfbar und Schwachstellen sowohl identifizierbar als auch priorisierbar machen. Des Weiteren können Web-Analyse-Tools aufgrund der Auswertbarkeit der Daten bereits wertvolle Informationen über Schwachstellen der Webseite liefern.

Für einen ganzheitlichen Ansatz muss auf jeden Fall der tatsächliche Anwender in den Prozess eingebunden werden. In der DIN 9241-210 wird der „Prozess zur Gestaltung gebrauchstauglicher Systeme“ genau definiert.

Usability und User Experience - UX-Prozess


UX-Prozess zur Gestaltung gebrauchstauglicher Systeme

Von Beginn an wird das Augenmerk auf den Nutzer gelegt. Echte Anwender und deren Verhalten sowie die Definition von Zielgruppen in der Anfangsphase mittels User Research Methoden kennenzulernen und folglich Nutzungsanforderungen zu spezifizieren helfen, jegliche weiteren Projektphasen nutzerzentriert auszurichten.

Kennen Sie Ihre Nutzer, ist es möglich, frühzeitig Prototypen hinsichtlich der zu erfüllenden Anforderungen zu überprüfen. Werden in dieser Phase Schwachstellen erkannt, so kann der Prozess iterativ gestaltet werden. Nur wenn die Evaluierung gezeigt hat, dass die spezifizierten Nutzungsanforderungen erfüllt wurden, wird das Feinkonzept erstellt, beziehungsweise das Design des Interface umgesetzt.


Fazit

Ob Sie ein bestehendes System unter UX-Aspekten optimieren wollen oder eine komplette Neuentwicklung mit dem UX-Prozess planen, das Ergebnis wird eine Steigerung der User Experience, also der Nutzerzufriedenheit sein!

Darin liegt Ihr klarer Wettbewerbsvorteil: Eine gesteigerte Kundenbindung, höhere Conversion-Raten und verbessertes Markenimage sind nur einige Ergebnisse einer erfolgreichen UX-Strategie. Betrachten Sie den Einsatz des UX-Prozesses als Qualitätsinstrument für Ihren digitalen Auftritt. Die interne sowie externe Effektivität und Effizienz werden messbar gesteigert und tragen nachhaltig zu Ihrem Geschäftserfolg bei.

 

Über den/die Autor/in:
Katharina Gottwald
Katharina Gottwald